Viel Handnäherei – die Couture lässt grüßen

Der heutige Blog-Titel klingt ziemlich hochgestochen, aber bei Craftsy habe ich mir einige Kurse mit Allison Smith gekauft, in denen sie Couture-Techniken vermittelt.Rock nach Couture-AnleitungNeugierig wie ich bin, habe ich bei meinem Rock einige der Techniken auspobiert, besonders die aus dem Kurs “Couture Finishing Techniques“.

Der Rock ist komplet mit Seidenorganza unterlegt, der von Hand auf die Nahtzugaben auf den Oberstoff (aus Wolle) aufgeheftet wurde. Seit dem Kurs verwende ich Bienenwachs zum Wachsen vom Garn bei Handnäherei. Es gibt kein Verknoten mehr – juhu.

Couture-TechnikAuch der nahtverdeckte Reißverschluss wurde nach der Anleitung aus dem Kurs eingenäht. Dazu wurde erst ein zusätzlicher Streifen Organza auf den Schlitzbereich aufstaffiert, dann die Raupen vom RV eingenaht und erst dann die hintere Mittelnaht geschlossen. Der RV ist super geworden.Couture-Technik-1Couture-Technik-2Dann habe ich bei allen Teilungsnähten die Nahtzugaben mit Hexenstich auf den Organza genäht. Dabei wurde die Schnittkante versäubert und die Nahtzugaben bleiben flach. (Im Kurs wird auch anders gebügelt als sonst) Davon habe ich allerdings kein Bild.

Als Einlage (Klebeeinlagen sind igitt ;-) ) wurde Petersham-Ribbon auf den Streifen für den Bund aufgehext. Es ist eine Art Hutmacher-Ripsband, das es nur in England gibt und ich mir dort bestellt habe. (Der Bund trägt sich mit der Einlage sehr angenehm, angeneher als mit meiner bisherigen Rosshaareinlage zum Aufbügeln)Couture-Technik-3Auch beim Saum gibt es Besonderheiten. Die Schnittkante vom Saum wird mit Schrägband eingefasst zum Versäubern. Ich habe Schrägstreifen aus Futtertaft dafür geschnitten, das Normale aus Baumwolle war mir zu steif. Die Bruchkante vom Saum wird mit Heftstichen markiert und mittig auf die Bruchkante wird eine dünne Näheinlage (musste ich auch erst suchen) aufgehext. Couture-Technik-4Dann wird der Saum an der Bruchkante umgelegt, auf dem Organza (nur dem Organza! ) von Hand festgenäht. Dadurch sieht man auf der rechten Seite vom Rock keine Stiche. Die Nahtzugabe vom Saum wird nur bis kurz vor die Bruchkante gebügelt, die Bruchkante selber bleibt ungebügelt, wodurch die Kante rundlich bleibt. Couture-Technik-5Der Rockschnitt ist Burda 6836, ein Tulpenrock mit Falten statt Abnähern. Durch den Organza bleiben die Falten auch plastischer und drücken sich nicht so platt.  Den Schnitt habe ich schon mal für den Sommer aus Baumwolle genäht, da drücken sich die Falten platt und der Tulpeneffekt geht verloren. Genau deswegen habe ich diesen Schnitt für das Experiment ausgewählt.Rock nach Couture-Anleitung seitlichFür meine Weiterbildung und Horizonterweiterung hat es sich gelohnt die Techniken anzuwenden. Die Overlock wurde nur beim Versäubern vom Futter eingesetzt, die normale Nähmaschine hat alle geraden Nähte gemacht, der Rest war von Hand. Die Zukunft wird zeigen, welche Techniken ich weiter verwenden werde.

Die Kurse von Allison Smith bei Craftsy kann ich auf jeden Fall empfehlen. Sie ist Britin und spricht sehr klar und deutlich, außerdem wird auch alles sehr anschaulich gezeigt. Viel ausführlicher als hier in der Kurzfassung. Bei Craftsy gibt es auch immer wieder Aktionen mit gesenkten Kurspreisen.

Auch wenn man es dem Rock nicht unbedingt ansieht, wie viel Arbeit drinn steckt, aber ich weiß es!

Verlinkt bei: Me Made Mittwoch und RUMS

9 Gedanken zu „Viel Handnäherei – die Couture lässt grüßen“

  1. Ein schöner Beitrag über das Nähen mit der Hand, wo manche sogar die Knöpfe mit der Maschine annähen. Sehr interessant! Das ein oder andere wirst du sicher beibehalten!
    LG Monika

  2. Toller Rock! Und ich denke alle die nähen wissen wieviel Arbeit ein Kleidungsstück macht. Das perfekt sitzende und aussehende Kleidungsstück kommt nunmal nicht einfach so aus der Schnittmusterverpackung und ist in einigen Minuten schon wieder vom Nähtisch runter. Danke fürs Teilen Deiner Erfahrungen mit dem Kurs.

    Sandra

  3. Ein interessanter Beitrag. Vielen Dank. Ich habe mich auch schon öfter mit diesen Techniken befasst und es macht tatsächlich einen Unterschied. Manchmal allerdings gewinnt die Faulheit und man macht wieder viel mit der Maschine. Dennoch lohnt es sich, sich mit diesem Thema zu befassen, weil es tatsächlich den Horizont erweitert und man etwas dazulernt. Die Mühe lohnt sich allemal und hier und da greife ich auch wieder darauf zurück.
    Liebe Grüße,
    Julia

    1. Vielen Dank für die lieben Kommentare bis hier.

      Ich finde es immer interessant, wenn man neue oder andere Techniken kennen lernt und sich dabei verbessert. Stillstand ist langweilig.

      Viele Grüße
      Anette

  4. Sehr schöner Rock und ein interessanter Beitrag! Damit muss ich mich vielleicht auch einmal beschäftigen. Schnell was nähen gibt es bei mir sowieso nicht, da in der Regel umfangreiche Passformanpassungen nötig sind. Da würde sich ein Zusatzaufwand für ein so tolles Ergebnis schon lohnen. Das trägt man dann ja auch bis es auseinanderfällt.
    Liebe Grüsse Priska

    1. Vielen Dank.
      Um Allison Smith zu zitieren: so ein Aufwand lohnt sich auf jeden Fall bei besonderen Kleidungsstücken. (So ähnlich hat sie sich in einem anderen Kurs ausgedrückt)
      Viele Grüße
      Anette

  5. Vielen Dank für die Präsentation des schönen Rocks. Bisher habe ich noch kein so aufwändiges Kleidungsstück genäht, aber dieser Beitrag ermuntert mich, einen wunderschönen Stoff von Linton Tweed mit Unterstützung des Craftsykurses in Angriff zu nehmen. Mein Eindruck ist, dass es innerhalb der Nähcommunity zunehmend das Bemühen gibt, sorgfältiger und nachhaltiger zu nähen; das geht dann nicht so schnell, aber vielleicht währt die Freude an den eigenen Fähigkeiten und die Qualität der Arbeit doch ein bisschen länger.
    Ich werde mir diesen Bericht sicher noch einige Male aufrufen, um daraus zu lernen. Und natürlich zur “moralischen Unterstützung “.
    Viele Grüße,
    Brigitte

    1. Vielen Dank.
      Je nachdem, was aus dem Tweed werden soll, kann ich auch die anderen Kurse von Allion Smith empfehlen, sie ergänzen sich super.
      Wenn man ein breites Wissen über die verschiedenen Techniken hat, kann man sich die Bevorzugten je nach Zweck heraussuchen.
      Viele Grüße
      Anette

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